Hessische/Niedersächsische Allgemeine vom 24.09.2007

Gelungene Premiere

Kinderchor der Kantorei Hardegsen überzeugt mit Uraufführung des Musicals "Elia"

Von Edelgard Winterberg

HARDEGSEN.
Strahlende Gesichter auf der Bühne und nicht enden wollenden Beifall gab es am Samstag in der Mauritiuskirche Hardegsen. Das Kindermusical „Elia“, geschrieben für den Kinderchor St. Mauritius in Zusammenarbeit seines Chorleiters Gerhard Ropeter und des Komponisten Egon Ziesmann, hatte seine Uraufführung erlebt.

„Und nachdem Elia alle seine Aufträge im Namen Gottes vollbracht hatte, kam ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden, und Elia führ wie in einem Wetter gen Himmel“ - so beendet der „Sprecher“ die alttestamentarische Geschichte vom Propheten Elias, bevor der Chor den Bezug zur Gegenwart herstellt: „Gott lebt in Menschen wie Elia, die mutig seinen Willen tun.“ Für den Schlusschor hat sich der Komponist von dem Spiritual „Sing low, sweet chariot“ musikalisch inspirieren lassen. Der Fortlauf des Geschehens wird vom „Sprecher“ erzählt, die Dialoge werden in Sprechszenen dargestellt.

Sichere Gesangssoli
Abgesehen von drei Männerstimmen, die, gleichzeitig sprechend, die Stimme Gottes wiedergaben, waren alle Rollen mit Kindern besetzt. Einige hatten auch Gesangssoli, besonders häufig Elia, dargestellt von Emmy Töws, die ihre ganze umfangreiche Rolle sicher und mit großer Ernsthaftigkeit bewältigte. Marius Schnelle, der den König Ahab verkörperte, hat den Stimmbruch hinter sich und vor allem in der Tiefe schon Kraft und Farbe. Katharina Keese (Königin Isebel) und Karina Neitzel (Witwe) sangen mit klarer, ungekünstelter Stimme, und auch Corinne Möller, die als „Sprecher“ die erzählenden Zwischentexte auswendig vortrug, hatte in einem Gesangssolo auch Gelegenheit, ihren schönen Sopran zur Geltung zu bringen.

Zwei Choräle a capella
Den größten und wichtigsten Part aber hatte der Chor mit zwei- und dreistimmigen Sätzen. Stilistische Geschlossenheit lag offenbar nicht in der Absicht des Komponisten. Ein Teil der Chor- und Solostücke zeigt Anklänge an Schlagermusik, andere sind von andächtigem Ernst getragen. Die meisten werden instrumental begleitet. Das kleine Ensemble aus Streichern und Holzbläsern, das auch Zwischenmusiken zu spielen hatte, saß im Seitenschiff und hielt sich in der Lautstärke zurück. Zwei Choräle, die sich harmonisch an den Bach-Stil anlehnen, wurden a cappella gesungen, ebenso das sehr schöne „Hebe deine Augen auf“, bei dem der Komponist Ähnlichkeit mit Mendelssohns Engelterzett vermieden hat.

Rhythmical zur Gestaltung
Der weiche Chorklang und die Reinheit und Sicherheit des mehrstimmigen Singens zeugten von sorgfältiger musikalischer Arbeit und guter chorischer Stimmbildung. Mit einem „Rhythmical“, einem Satz aus rhythmischem Sprechen in kanonartigem Aufbau, wurde eine neuere Gestaltungsform miteinbezogen.
Freude und Begeisterung, Konzentration, Disziplin, Fleiß und Können ließen die 70-minütige Aufführung zu einem vollen Erfolg werden.

Musical ELIA
Noch zwei weitere Aufführungen
Am kommenden Wochenende wird Elia nochmals aufgeführt:
am Samstag, 29. September, im Gymnasium Uslar und
am Sonntag, 30. September, in der Northeimer Stadthalle.
Karten gibt es im Vorverkauf zum Preis von zehn Euro (Kinder zahlen fünf Euro) in Hardegsen (Lesen & Schreiben), Northeim (Buchhandlung Spannaus), Uslar (Bücherwurm) und bei allen Geschäftstellen der Kreis-Sparkasse Northeim. (nik)

Göttinger Tageblatt vom 25.09.2007

Wie der Prophet Gott in einem Windhauch erfährt

Uraufführung: Kinderchor Hardegsen singt und spielt das Musical „Elia“ von Egon Ziesmann

Das Kindermusical „Elia“ des Celler Komponisten Egon Ziesmann feierte am Wochenende in Hardegsen und Göttingen seine Uraufführung. Derlei musikalische Großform darzustellen vermag nur ein Kinderchor, in dem über viele Jahre erfolgreiche Kindersingarbeit geleistet wird. Genau dies geschieht in Hardegsen durch den unermüdlichen Einsatz von Kantor Gerhard Ropeter, der aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Kinderchors St. Mauritius den „Elia“ in Auftrag gegeben hatte.
In der rund 70-minütigen Komposition fordern die dreistimmigen Sätze einen Kinderchor heraus; insbesondere die A-cappella-Stücke zu „O Haupt voll Blut und Wunden“ und „Wie soll ich dich empfangen“ und ein eigenes Lied zu Psalm 121 „Hebe deine Augen auf“ – sie vertiefen die Ereignisse gedanklich – wurden vom über dreißig Kinder umfassenden Chor unfassbar sauber gesungen. Das zupackende Dirigat Ropeters führte sie durch eine kurze, aber vertrackte Sprechmotette. Die jungen Sänger hatten an solchen musikalischen Aufgaben sichtlich Freude wie auch an den eingängigen, wiederholten Chören „Und das Wort des Herrn“ und „Wieder ein Wunder Gottes geschah“ sowie an den ein wenig sakropoppigen Eingangs- und Schlussstücken. Ein erzählerischer und musikalischer Höhepunkt ist der rätselhafte Summchor, der den Windhauch darstellt, in dem Elia Gott erfährt. Hier kommt alles auf die Beachtung der dynamischen Vorschriften an – ein Erlebnis, wie die Chorkinder ihrem Dirigenten darin folgten.

Wie am Schnürchen
Beachtliche Solistenleistungen waren zu erleben, beispielsweise Paula Fischer in der Rolle der Witwe von Sarepta. Mit Tobias Nayda war die Hauptrolle des Elia glücklich besetzt. Die (vielleicht allzu) sparsamen Regieanweisungen wurden von den kleinen Darstellern mit erstaunlicher Routine umgesetzt. Selbst die Umbauten durch die Choristen klappten wie am Schnürchen.
Für die Uraufführung konnte Gerhard Ropeter vorzügliche Musiker gewinnen, die der durchweg einfachen Musik Leben einhauchen und Glanz zu verleihen wussten: allen voran Andreas Kleinert an der ersten Geige. Schön auch, den Göttinger Oboen-Methusalem – um in biblischer Sprache zu bleiben – Richard Wagner zu sehen und zu hören. Karin Fuhrbergs Klarinette sorgte für jüdisch-orientalisches Flair.
Die Kinder in der Aula der Waldorfschule verfolgten gebannt das Geschehen auf der Bühne und davor, ihre Eltern und Großeltern berührte der helle Gesang der Hardegser Kinder, deren ernsthaftes Spiel. Großer Applaus.

Karl Friedrich Ulrichs

Weitere Aufführungen: Sonnabend, 29. September, im Gymnasium Uslar und am Sonntag, 30. September, in der Stadthalle Northeim, jeweils um 17 Uhr.